Montag, 11. Februar 2008

Aus Mindo, Ecuador: Noch kein gegrilltes Meerschweinchen

Nach drei Tagen hatten wir das erste mal Strom. Die Telekom-Firma Movistar hatte einen Funkmast an einer Stelle aufgestellt, wo es ihr verboten war. Ein paar Schmiergelder machten es möglich, aber dummerweise ist der Mast umgefallen, auf eine Stromleitung. Kein Strom in Mindo (wo ich bin, 2 Stunden von der Hauptstadt Quito) und 20 km drumherum. Und Movistar musste für jede Stunde ohne Strom Strafe zahlen.

Der Regen ist moderat. Nachts schüttet es ganz gut und tagsüber dampfen die Modderwege. Gummistiefel sind was feines, aber bei längerem Marsch unbequem. Längerer Marsch etwa zum großen Wasserfall. Fotos gibt es später, die Computer hier wollen das Handy nicht erkennen.

In Salem, dem Haus wo die Kinder versorgt werden, ist Bombenstimmung. Die Kiddies sitzen mir zu dritt im Nacken und zeigen auf die Worte Mindo und Movistar, die sie erkennen, und sie fragen, warum ich das schreibe, aber mein Spanisch ist ein Krüppel von Erklärung. Gerade räumen sie den Frühstückstisch ab, alle sind aufgeregt, weil wir heute Canopy machen. Das ist eine Touristenattraktion hier: An Drahtseilen über die Regenwaldschluchten gleiten. Heute ist es fuer alle Mindenos umsonst. Touris sind eh nicht da, die kommen nur am Wochenende ins 2400-Einwohner-Mindo.

Insekten sind auch immer ein hübsches Thema in diesen Breiten. Am ersten Tag dachte ich: „Oh, was macht den die Amsel hier im Zimmer?!“. Es war einer von diesen 30-Zentimeter-Faltern, die laut flatternd um die Lichter fliegen. Im Dorf kam eine Heuschrecke vorbei, so groß, das die Leute ihre Kinder ins Haus holten. Aber zumindest im Hause Salem gibt es Che Guebaba, (neben Krimhild und Brunhild und Mietzi eine der vier Katzen), die Kakerlaken und Riesenfalter gnadenlos jagt und frisst, selbst die Falter mit den staubigen Flügeln. Nachts legt sie sich dann zu mir ins Bett, das kleine Mietzekätzchen, dem es nicht um Sympathie, sondern um das Abgreifen von Wärme geht. Mückenattacken halten sich in Grenzen.

Das Volk insgesamt ist sehr entspannt. Alle wandeln mit positiver Aura umher, naja, einige sind Alkoholiker, aber insgesamt sind alle sehr freundlich. Selbst mit roten Haaren werde ich nicht angestarrt oder von der Seite vollgequatscht, sehr angenehm.

Morgen geht´s zurück, erst nach Quito und dann übermorgen früh nach Deutschland. Gebratene Meerschweinchen gibt´s in Mindo nicht, vielleicht kann ich in Quito eins abgreifen…

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